GBDSl Selbstversuch – Tag 1

Mit meinem Sony Ercicsson K800i war ich jahrelang vom Hype “Mobile Gaming” abgeschnitten. Zu geizig mir den aktuellem Gameboy oder ne Sony-PSP zu kaufen gehöre ich unter Anderem auch zu denjenigen Menschen die stolz ohne Knopf im Ohr mit der U-Bahn durch Hamburg fahren und sich nicht von belanglosem Gedüdel volldüdeln lassen.
Für einen zum Glück vorübergehenden Krankenhausaufenthalt habe ich mir vor Jahren einen Gameboy-Dualscreen-Lite zugelegt und nachdem ich dann doch lieber jammernd vor mich hinrekonvalesziert habe hab ich die Maschine meinen Neffen (Pokemon!) überlassen.
Ich kann nicht sagen was mich letztens gebissen hat nachzufragen was denn aus dem, zugegeben damals teuren, Gerät geworden ist. Wird nicht mehr bespielt.
Gut, gib mal her, aktuelle Hardware-Buffs rauf, es wird Zeit tatsächlich mal ernsthaft auszutesten was an “Mobile Gaming” dran ist.
Nicht in den falschen Hals kriegen! Ich verstehe mich trotz letztlicher Schwierigkeiten (Arbeit, Mac) immer noch als Gamer im ursprünglichsten Sinne des Wortes. Und als Solcher verfolge ich die aktuelle Insider-Presse und weiß das es sehr interessante Spiele für mobile Plattformen gibt.
Mein letzter Mobile-Gaming Versuch mit einem Motorola Milestone war zwar technisch sehr erfolgreich, hat mich aber von den Spielen her nicht vom Hocker gerissen.
Nun denn, Gameboy aufgeladen, ein gutes Puzzlespiel eingestöpselt, nerdiges Cap aufgesetzt und ab in den ÖPNV.

Es reißt mich nicht. Das Spiel ist gut, nicht zu schwierig. Der Bus ruckelt mich durch aber das Puzzlen wird dadurch eigentlich nicht beeinträchtigt.
Nach ungefähr einer viertel Stunde schiebe ich den Schirm meines Caps hoch und stelle fest – die Menschen um mich herum sind tausendmal spannender und anspruchsvoller als Scribblenauts. Ich fühle mich unwohl so, nicht ganz da zu sein.
Die Blonde Schnickse vier Reihen weiter vorn die verkrampft versucht die Aufmerksamkeit der Jünglinge im Gang auf sich zu ziehen. Die Mutter die aus unerfindlichen Gründen versucht ihre Blagen zum Stillsitzen zu bewegen – auf diesem tollen Spielplatz mit Kletterstangen. Der aufgedonnerte Mann eine Reihe weiter dessen Aftershave offensichtlich nicht nur bei mir Brechreiz auslöst. Wie in aller Welt kann ich das verpassen wollen?
Bin ich zu alt geworden um ein wirklicher Gamer zu sein? Haben fünfundzwanzig Jahre Computerspiele mich gegen die kleinen blinkenden Pixel abgestumpft. Oder habe ich nach der langen Zeit der kleinen elektronischen Erfolge einfach nur schätzen gelernt wie viel komplexer und interessanter es ist hin und wieder am echten Leben teil zu nehmen? Und sei es nur als Beobachter.
Ich klappe den Kasten zu, nehme die Kopfhörer raus und lächle aus dem Fenster.

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